Vor 100 Jahren: Am 10. Februar 1920 ging Nordschleswig an Dänemark

Am 10. Februar 1920 gingen 112.515 Nordschleswiger in Deutschland schlafen und wachten am 11. Februar 1920 in Dänemark auf.

Heute ist es kaum noch im Bewusstsein, dass sich nach dem ersten Weltkrieg auch für Schleswig-Holstein etwas gravierend änderte. Der Versailler Vertrag erzwang zwei Abstimmungen im Grenzgebiet zu Dänemark. Die Bevölkerung hatte darüber zu entscheiden, ob das Land bei Deutschland bleibt oder Dänemark zugeschlagen wird.

Die erste Abstimmung am 10. Februar 1920 in Nordschleswig benachteiligte systematisch die deutsche Bevölkerung, da die Abstimmungsbezirke auf Wunsch Dänemarks so gestaltet wurden, dass sich überall eine dänische Mehrheit ergeben musste. Dadurch fielen auch die Städte im Abstimmungsgebiet an Dänemark, obwohl dort die Deutschen die Mehrheit stellten, so in Apenrade, Sonderburg und Tondern. Insgesamt 5794 qkm und 112.515 Nordschleswiger mit ihren Familien kamen zu Dänemark.

In der zweiten Abstimmung am 14. März 1920 ging es um Südschleswig, hier waren die Deutschen deutlich in der Mehrzahl, das Gebiet blieb mit 5300 qkm bei Deutschland. So ist die Grenze noch heute.

Trotz dieser historischen Belastung gilt das deutsch-dänische Grenzland heute als Musterbeispiel für gute Nachbarschaft mit zahlreichen Verbindungslinien in beide Richtungen. Der Bund der Deutschen in Nordschleswig sorgt dafür, dass die deutsche Minderheit ihre eigene Kultur leben kann. Er betreibt, unterstützt auch aus der AfD, Kindergärten und Schulen und fördert den Erwerb der deutschen Sprache. Der Südschleswigsche Wählerverband der dänischen Minderheit ist sogar als eigene Partei im Landtag von Schleswig-Holstein vertreten. Auch von der Fünf-Prozent-Hürde ist er ausgenommen.

Wenn nun in diesem Jahr auf beiden Seiten der 100. Jahrestag der Volksabstimmung begangen wird, und die Dänen ihre „Wiedervereinigung“ feiern, sollte man sich darüber freuen, dass sich das Verhältnis positiv entwickelt hat, aber auch nicht vergessen, dass der Versailler Vertrag für die Deutschen erniedrigende und unfaire Startbedingungen geschaffen hatte. (RR)

Quelle: Der Nordschleswiger

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