Wanderung der AfD-Wähler in Schleswig-Holstein

Beim Landtagswahlergebnis von 4,4% für die AfD stellt sich die Frage, wohin diejenigen Wähler abgewandert sind, die noch 2017 die AfD gewählt haben, und es 2022 nicht mehr taten. Laut einer Schätzung der ARD verlor die AfD mit 14.000 Stimmen am meisten an die Nichtwähler (allerdings nur die Hälfte davon Netto), gefolgt von 11.000 ehemaligen Wählern, die diesmal für die CDU stimmten. Jeweils 7.000 Wähler machten diesmal ihr Kreuz bei der FDP oder bei einer sonstigen Kleinpartei. Hinzugewinne für die AfD aus anderen Blöcken gab es allerdings auch.

Aus kleinen Parteien, die nicht im Landtag vertreten waren, gewann die AfD 10.000 Wähler hinzu. Von den Nichtwählern machten diesmal 7.000 Wähler ihr Kreuz zum ersten mal bei der AfD, sodass die Nettoabwanderung zu den Nichtwählern nur 7.000 beträgt. Aus den Altparteien wechselten jeweils kleine Kontingente zwischen 1.000 bis 2.000 Wählern zur AfD. Durch Wegzug (7.000) verlor die AfD außerdem, verrechnet mit Zuzug (4.000), netto 3.000 Wähler.

Wählerwanderung von der AfD bei der Landtagswahl 2017
Abwanderung von AfD-Wählern. Quelle: Tagesschau
Hinzugewinn von AfD-Wählern bei der Landtagswahl 2022 in Schleswig-Holstein
Hinzugewinn von AfD-Wählern. Quelle: Tagesschau

Die AfD erhielt diesmal 62.410 Erststimmen (4,53%) und 61.169 Zweitstimmen (4,41%). Dies sind 25.542 Zweitstimmen weniger, als 2017 (damals 86.711). Gleichzeitig erzielte die AfD überraschenderweise mehr Erststimmen, und auch mehr als 2017, nämlich 1.420 mehr (damals 60.990). Dass die AfD in einem westlichen Bundesland mehr Erst- als Zweitstimmen erhält, ist eher ungewöhnlich. Üblicherweise erhalten kleine Parteien, die nur geringe Chancen haben, ein Direktmandat zu gewinnen, weniger Erst- als Zweitstimmen. Umgekehrt verhält es sich bei großen Parteien, die manchmal noch Erststimmen hinzubekommen von Wählern anderer Parteien, bei denen der Wähler nicht an den Gewinn eines Direktmandates glaubt. 2017 gaben nur 70% unserer Zweitstimmenwähler der AfD auch die Erststimme.

Für den Wiedereinzug in den Landtag mit 5% wären etwa 69.400 Zweitstimmen erforderlich gewesen. Es fehlten der AfD also ungefähr 8.200 Stimmen.

Erwähnt werden sollte, dass auch die meisten anderen Parteien seit 2017 in Schleswig-Holstein Wähler verloren haben, und zwar in einem noch größeren Ausmaß, als die AfD. So fiel die SPD um ganze 11 Prozentpunkte auf 16% und ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten in Schleswig-Holstein. Die FDP halbierte sich mit 6,4% nahezu. Die Linke ist mit 1,7% als Splitterpartei bei den Sonstigen angekommen. Berichten zufolge machen viele Linksparteiwähler in Schleswig-Holstein stattdessen mit Kalkül beim ebenfalls politisch linken SSW ihr Wahlkreuz, da diese Partei von der 5%-Hürde ausgenommen ist.

Vorläufiges Endergebnis der AfD bei der Landtagswahl 2022 in Schleswig-Holstein
Vorläufiges Endergebnis. Quelle: Wahlrecht.de

Den Verlusten der meisten Parteien steht mit über 43% ein irrational hohes Wahlergebnis der CDU entgegen, welches in dieser Höhe auch von keinem Umfrageinstitut prognostiziert worden war, sowie gleichzeitig eine Stärkung der Grünen. Letztere war eine Woche später bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sogar noch stärker zu beobachten (+12% auf 18%). Nimmt man hinzu, dass Daniel Günther als eher linker CDU-Mann wahrgenommen wird, und dass im Bund eine Ampelkoalition regiert, ist bei den deutschen Wählern ein politischer Trend nach links und zum Nachteil der AfD festzustellen.

Das Wahlergebnis vom 8. Mai weicht deutlich nach unten ab von allen Prognosen, welche bislang für die Alternative für Deutschland in Schleswig-Holstein erstellt worden waren. Die AfD wurde im nördlichsten Bundesland bislang von keinem Umfrageinstitut seit 2014 unter 5% geschätzt. Tatsächlich lag die AfD hier in den Umfragen fast nie unter 6%, nämlich nur dreimal in acht Jahren bei 5%, und oftmals auch bei 7%. Der Prognosedurchschnitt aller Institute im Jahr 2022 betrug 6,1%. Bei der Bundestagswahl vor einem halben Jahr kam die AfD in Schleswig-Holstein auf 6,8%, bei der Landtagswahl vor fünf Jahren bekanntermaßen auf 5,9%. Ein Wählerverlust in der Höhe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses war insgesamt nicht absehbar. Eine Umfrage bei Civey sieht die AfD in Schleswig-Holstein aktuell interessanterweise bereits wieder über 6%.

(FW)

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