Wer hätte gedacht, dass mich nach über 40 Jahren solche Erinnerungen wieder einholen würden?
Ich sehe mich wieder als Kind in der DDR. Mir wurde damals erklärt, dass meine eigene Tante, ein Mensch, den ich von Herzen geliebt habe, ein „Klassenfeind“ sei. Diese Tante, die mich in den Arm genommen, mir eine Jeans gekauft, ein Eis mit mir gegessen und mir einfach Liebe geschenkt hat. Und plötzlich sollte sie „falsch“ sein. Nur, weil sie woanders lebte und anders dachte.
Dieses Gefühl werde ich nie vergessen.
Und jetzt höre ich, dass Lehrer Kindern sagen, Eltern, die die AfD wählen, seien „dumm“.
Ganz ehrlich, das macht mich wütend. Und traurig.
Wie kann man Kindern so etwas sagen? Wie kann man anfangen, Eltern vor ihren eigenen Kindern abzuwerten? Was macht das mit einem Kind?
Eine andere Meinung ist nicht gleich dumm. Anders zu denken ist kein Fehler.
Ich habe damals nicht verstanden, warum man mir einen geliebten Menschen schlechtreden wollte. Und auch heute verstehe ich nicht, warum Kindern beigebracht wird, ihre eigenen Eltern abzuwerten.
Das darf nicht zur Normalität werden.
Demokratie bedeutet nicht, dass alle gleich denken. Demokratie bedeutet, dass wir Unterschiede aushalten, ohne Menschen zu verurteilen.
Vielleicht sollten sich manche genau das wieder ins Gedächtnis rufen.