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Schlei-Fähre Missunde III: 7 Millionen Euro fürs Nichtfahren

Am Ufer der Schlei, an einer Stelle kaum 140 Meter breit, liegt die Missunde III festgezurrt und fährt an jedem zweiten Tag nicht. Die sieben Millionen Euro teure Elektrofähre mit Solardach sollte klimaneutral und alltagstauglich sein. Stattdessen reißt die Strömung sie fort, die Querstrahlruder werfen Sandbänke auf, der Stromverbrauch allein für die Klimatisierung des Batterieraums übersteigt den Jahresbedarf eines Einfamilienhauses, und schwere Fahrzeuge darf sie nicht mehr transportieren. Die Querung dauert doppelt so lange. Die alte Seilfähre hätte man modernisieren können. Man wollte es nicht. Die nahe Lindaunisbrücke ist seit Jahren gesperrt; aus geplanten acht Millionen wurden über 240 Millionen – und fertig ist sie immer noch nicht. Bahnreisende ziehen ihre Koffer zu Fuß über die halbfertige Konstruktion.

Das ist der deutsche Zustand: Selbstüberschätzung statt Pragmatismus, Nachhaltigkeitswahn statt Funktionstüchtigkeit. Man hat nicht gebaut, was nötig war, sondern was ideologisch glänzte. Die alte Fähre zurückzuholen käme einem Schuldbekenntnis gleich; und die kennt dieses System nicht.

Die Folgen tragen die Menschen vor Ort: Der Fährmann in dritter Generation verliert Zehntausende, die Café-Besitzerin blickt auf 32.000 Euro Umsatzminus, der Obsthof hat dichtgemacht. Pendler und Handwerker verbrennen täglich eineinhalb Stunden. Wer sich da noch über 18 Prozent für die AfD in Schleswig-Holstein wundert, hat den Blick verloren. Wer 140 Meter Salzwasser nicht überwinden kann und gleichzeitig das Klima retten will, dem glaubt niemand mehr.

https://www.welt.de/wirtschaft/plus6a6e1cfb6c664b53a33ccf49/infrastrukturversagen-wenn-selbst-140-meter-fuer-den-staat-zu-weit-sind.html