Früher ist man für weniger zurückgetreten: Ein verlorener Doktortitel, widersprüchliche Aussagen, monatelanges Schweigen – das hätte einmal gereicht, um politische Konsequenzen zu ziehen. Heute wird so getan, als sei das alles nur ein ärgerliches Missverständnis.
Mario Voigt hat nicht nur seinen Titel verloren, sondern auch Glaubwürdigkeit. Wer behauptet, erst „heute“ vom Entzug erfahren zu haben, obwohl die Entscheidung seit Monaten feststeht, täuscht bewusst die Öffentlichkeit. Das ist kein Detail, sondern ein Charakterproblem.
Dass der Fakultätsrat einstimmig entschieden hat und niemand aus der Wissenschaft ihm beispringt, spricht eine klare Sprache. Wer in dieser Lage einfach weitermacht und von „kämpfen“ redet, verwechselt Verantwortung mit Machterhalt.
Ein Ministerpräsident ist kein Aktivist, der sich durchbeißen darf, sondern ein Amtsträger mit Vorbildfunktion. Der Rücktritt wäre kein Drama, sondern Anstand. Und genau der fehlt hier.