Zum Inhalt springen

Deutschland hat bei der Waldbrandbekämpfung geschlafen!

Katastrophenschutz bedeutet für mich politische Verantwortung. Wir dürfen nicht erst dann handeln, wenn Menschen, Einsatzkräfte und ganze Regionen bereits mitten in einer Krise stecken. Hier in Schleswig-Holstein denken wir bei großen Gefahrenlagen verständlicherweise besonders an Sturmfluten und Küstenschutz. Doch der Blick auf ganz Deutschland zeigt: Die Herausforderungen verändern sich. Wald- und Vegetationsbrände werden auch bei uns zu einer immer wichtigeren Aufgabe.

Was wir aktuell in Nordrhein-Westfalen sehen und aus Brandenburg seit Jahren kennen, kommt nicht überraschend. Trockenheit, hohe Temperaturen und eine zunehmende Waldbrandgefahr sind seit Langem bekannt. Deshalb reicht es nicht, nach jedem großen Feuer erneut auf einen „Extremsommer“ zu verweisen. Wenn Risiken absehbar wachsen, muss auch der Katastrophenschutz rechtzeitig mitwachsen – personell, organisatorisch und technisch.

Zu einer ehrlichen Debatte über Wald- und Vegetationsbrände gehört aber auch, konsequent zwischen den Bedingungen für die Ausbreitung eines Feuers und seiner konkreten Ursache zu unterscheiden. Es greift zu kurz, nach einer Katastrophe reflexartig auf den „Klimawandel“ zu verweisen. Viele Brände entstehen durch menschliches Fehlverhalten, Brandstiftung oder technische Defekte. Das zeigt auch das verheerende Eaton Fire im Raum Los Angeles von Januar 2025, bei dem 19 Menschen ums Leben kamen: Die inzwischen veröffentlichten Ermittlungsergebnisse führen den Ausbruch auf elektrische Lichtbögen an einem Strommast zurück.

Auch in Griechenland richten sich aktuelle Ermittlungen nach einem schweren Waldbrand auf die private Strominfrastruktur eines Windparks. Hierbei standen bis zu 10.000 Hektar Land in Flammen. Zwei Unternehmer sitzen nun in Untersuchungshaft.

Dazu gehört auch, unsere vorhandenen Fähigkeiten kritisch zu hinterfragen. Deutschland verfügt weiterhin kaum über eine schlagkräftige nationale Luftlöschreserve. Andere Länder zeigen, dass zusätzliche Kapazitäten gezielt vorgehalten werden können. In den USA werden beispielsweise seit Jahrzehnten militärische Transportflugzeuge als Reserve für die Brandbekämpfung aus der Luft eingesetzt. Airbus entwickelt für den A400M ein modulares Löschsystem mit einer Kapazität von rund 20.000 Litern. Flugzeuge, Technologie und Know-how sind in Europa also vorhanden. Was fehlt, ist ein konsequent aufgebautes, dauerhaft verfügbares und im Ernstfall schnell einsetzbares System.

Politik muss dafür sorgen, dass die Verantwortung nicht erst im Einsatz bei den Feuerwehren, dem THW und den vielen haupt- und ehrenamtlichen Kräften abgeladen wird. Vor allem aber müssen wir die Menschen vor Ort schützen: Familien, Gemeinden, Landwirte, Tierhalter und Betriebe, deren Existenz durch solche Katastrophen bedroht werden kann.

Katastrophenschutz darf deshalb nicht nur Reaktion sein. Unsere Aufgabe als Politik ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, notwendige Fähigkeiten aufzubauen und Strukturen zu schaffen, bevor die nächste Krise eintritt. Bekannte Gefahren zu kennen und dennoch jahrelang nur hinterherzulaufen, ist keine Vorsorge. Vorausschauender Katastrophenschutz muss ein fester Bestandteil verantwortungsvoller Politik sein.